History „Heiliger Born“ heißt von alters her die Quelle des Itterbaches im Gräfrather Grünewald. Die Bezeichnung war Auslöser romantischer Sagen und Legenden, die sich um den Quell rankten: Lag hier ein heiliger Hain der Germanen? Wurden hier die ersten Christen getauft? Weit gefehlt! Welchen Charakter mag die Siedlung „Greverode“, die „villa“ im Kirchspiel Wald, im Jahre 1135 gehabt haben? In diesem Jahr schenkte der Erzbischof Bruno II. dem Kölner Ursula-Stift einen Teil des im Gräfrath erhobenen Zehnten. 1402 verlieh Herzog Wilhelm I. von Jülich-Berg den Gräfrathern die Freiheitsurkunde. Mit diesem Privileg waren stadtähnliche Rechte verbunden. Die Brauhausordnung für die Freiheit Gräfrath wurde 1698 errichtet. Jeder Einwohner war berechtigt für seinen Bedarf Bier zu brauen. Damit war Vorraussetzung für das heutige gastronomische Kleinod gegeben. Das Kaffeehaus stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und wurde später mehrfach verändert. So stammt die klassische Form des Dachhauses aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die 2-flügelige, neugotische Haustüre aus der Jahrhundertwende. In seiner jetzigen Form ist es auf einem Ölgemälde des Landschaftsmalers Friedrich de Leuw, einem Sohn des berühmten Augenarztes, schon 1837 dargestellt (allerdings in der für die damalige Zeit typischen roten Dacheindeckung). "Ein kulinarischer Wallfahrtsort!" Im an Einkehrmöglichkeiten nicht armen Solinger Vorzeigefachwerkörtchen Gräfrath lauert direkt am historischen Markt unterhalb des Klingenmuseums ein gastronomisches Ungeheuer. Küchenkenner laben sich an Exotika wie Garnelen mit Sojasprossen, Zuckerschoten in Chilisauce, serviert im Wok, Tortilla mit Hähnchenfleisch-würfeln oder Bodenständigem wie einem Argentinischen Rumpsteak mit Bratkartoffeln und Salat oder eine Schlemmperpfanne von Edelfischen mit Curry und frischem Gemüse, dazu Reis. Koffein Tanten und Cholesterin Onkels delektieren sich lieber an der berühmt berüchtigten Bergischen Kaffeetafel, während die lokale jeunesse doree des Abends gern mal in das ein oder andere Glas schaut. Neben Kinder und Eiskarten gibt es natürlich eine Reihe von Frühstücksvariationen (von Montag bis Samstag, 9 – 15 Uhr), Sonntags stürzen sich die Masssen auf das äusserst reichhaltige Frühstücksbuffet für 12 Euro. Zum originellen Service gehören außerdem Wickeltisch, Schuhputzmaschine, selbstreinigende Toiletten und LESEBRILLEN für Vergessliche. "Juwel auf Gräfraths Höhen" Das „Kaffeehaus“ am Marktplatz des Solinger Stadtteils gehört zu den schönsten gastronomischen Adressen der Region. Jetzt im Sommer besonders beliebt: Die Terrasse, auf der alte Bäume Schatten spenden. Wenn die Sonne am Wochenende auf den Ort mit seinen pittoresken Schieferfassaden scheint - kennt Heinz Warder nur ein Ziel: die Terrasse des Kaffeehauses in Solingen-Gräfrath. Ein Rennrad in allen Ehren, aber nach einer Fahrt von über eineinhalb Stunden, die vom Schwierigkeitsgrad so mancher Bergprüfung bei der Tour de France zur Ehre gereichen würde, ist der Wuppertaler mit seinen Kräften am Ende. „Ich bin ja nicht gedopt“, erklärt der 52-Jährige, der an diesem Sonntag mit seinem Hightech-Drahtesel von Elberfeld aus Gräfraths Höhen erklommen hat, schiebt das Fahrrad an die Wand und nimmt auch die letzte Steigung mit Bravour. Es sind nur wenige Stufen, hinauf zu einem der attraktivsten Biergärten der Region - und oben angekommen, wartet auf Warder die Belohnung. „Klar“, sagt Thomas Fingerhut, Geschäftsführer des „Kaffeehauses“ in Gräfrath, „klar, an Tagen wie diesen läuft Weizenbier natürlich besonders gut.“ Derweil hat sich unser Radler an einem der wenigen freien Plätze im Außenbereich des Restaurants niedergelassen. Schnurstracks steht der Gerstensaft vor seiner Nase, und Heinz Warder hat die Muße, den Blick über den Marktplatz von Gräfrath wandern zu lassen. „Ich komme gerne hierher“, erzählt der gebürtige Hattinger, der sich in Solingens nördlichsten Stadtteil immer an seine Heimatstadt erinnert fühlt. Auch dort wird der Ortskern geprägt von der bergischen Trikolore: schwarzer Schiefer, weiße Rahmen, grüne Schläge. „Nur dass hier alles eine Nummer gemütlicher ist“, schränkt Warder ein, nimmt einen Schluck und genießt den Schatten, den die alten Bäume vor der Terrasse spenden. Geschäftsführer Fingerhut weiß um die Vorzüge der Gaststätte, die Besitzer Peter von der Heiden seit 23 Jahren führt - und die ein echtes gastronomisches Juwel ist. Von der Garten-Terrasse direkt vor dem Schieferhaus im Herzen Gräfraths öffnet sich der Blick auf den Marktplatz, der von der evangelischen Kirche des Ortes geprägt wird. Das „Kaffeehaus“ zählt zu den ersten Adressen der Klingenstadt, doch längst ist es auch über Grenzen Solingens hinaus bekannt. Heinz Warder aus Wuppertal ist dabei noch einer jener Gäste, die eine gar nicht mal so weite Anreise haben. „Uns besuchen auch Leute aus Düsseldorf und dem Ruhrgebiet“, berichtet Fingerhut. Und das wiederum hängt nicht nur mit der schönen Lage zusammen. Die Küche ist international und auf die jeweilige Jahreszeit abgestimmt. „Zurzeit haben bei uns Pfifferlinge Saison“, zitiert Thomas Fingerhut aus der aktuellen Speisekarte. Doch auch wer wie Heinz Warder nur eine kurze Rast einlegen will, ist im „Kaffeehaus“ an der richtigen Adresse. Der Radsportler hat inzwischen sein Bier ausgetrunken. Gestärkt macht er sich in Richtung Elberfeld vondannen. Allerdings nicht, ohne vorher einen weiteren Besuch fürs nächste Wochenende anzukündigen. |